Tage des Zorns

Wenn Fotografie nicht will

Jeder von uns hat in seinem Job mal einen schlechten Tag. Auch beim Fotografieren ist man davon nicht ausgenommen. Es gibt Tage da passt einfach gar nichts, ich nenne sie gern Tage des Zorns. Man steht auf und hat es schon im Gefühl, irgendwas stimmt heute nicht. Der erste Blick aus dem Fenster lässt eigentlich nichts Schlechtes vermuten.

Die Sonne scheint und einige Wolken tummeln sich am Frühlingshimmel, hervorragend für das geplante Fotoshooting. Das ist das Heuchlerische an diesen gewissen Katastrophen-Tagen, alles scheint so unglaublich perfekt, zu perfekt. Man bereitet sich auf den Termin vor und checkt die Ausrüstung, alles da, alle Akkus geladen, Linsen geputzt, Speicherkarte gesäubert und da ist es. Dieses Gefühl, dass man sich heute nicht einmal fragt: „Könnte ich was vergessen haben.“. Wenn dieses Gefühl fehlt, dann muss doch verdammt nochmal irgendwas falsch sein.

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Ok, Du spinnst, Marcus. Also die letzten Bissen Obstsalat im Sonnenschein verköstigt und los geht es. Der Verkehr passt und man kommt auch pünktlich zum ersten Termin, ein Gruppenfoto für eine Firmenwebsite. Phuu, der einzige  akzeptable Hintergrund ist eine Koniferen-Hecke, was soll´s. Dumm ist nur wenn es Mittag ist und die Sonne von der anderen Seite kommt und sich keinerlei Abschattung ermöglichen lässt. Egal, einige Bilder geschossen und NEIIIN (es war zu erwarten), alle kneifen die Augen zu. Es gibt noch ein Waldstück in der Nähe und das ganze Unterfangen lässt sich ein wenig korrigieren. Das wäre geschafft, könnte aber bei weitem besser gewesen sein.

Weiter zum nächsten Termin. Eine Location sollte spontan gefunden werden. Auf geht es zur Ersten. Mitten im „Grün“ auf einem Aussichtsturm. Die Sonne verschwindet, aber nicht hinter einer Wolke, sondern hinter Milchglas, der gesamte Hintergrund ist nur noch Suppe und es ist dunkel. Die Bäume haben noch nicht wirklich ihr Laub entwickelt und die Umgebung schaut zieeeeemlich langweilig aus. Trotzdem einige Bilder muss man ja mal wagen. Die Konzentration ist gerade auf dem Nullpunkt, der Aussichtsturm schwankt wie ein Grashalm im Wind, ich schau gar nicht mehr wirklich auf die Einstellungen. Sch*** drauf, AV-Modus, Offenblende und los. Nein, nein, nein, … wir sollten weiterziehen.

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Ok, suchen wir uns was interessanteres, einen Platz mit Flughafen-Startbahn im Hintergrund, klingt cool. Drei Mal verfahren und mein Obstsalat hat schon lange seine Wirkung verloren. Wir kommen dann doch noch an und essen erst einmal was. Das Rollfeld ist weit weg, sehr weit und die Sonne haut uns jetzt aus entgegengesetzter Richtung voll auf die Plautze. Hinzu kommen noch die Spotter, die dort anscheinend jeden Tag, den ganzen Tag startende Flugzeuge filmen. Wenn man keinen Kabelanschluss hat, warum nicht. Trotzdem, ein paar Bilder müssen in den Kasten, aber so recht schaut das alles nach nix aus.

Mein Superheld-Model Flo wollte aber unbedingt noch ein paar Überseekontainer an den Mann bringen und ich war schon immer scharf auf die Location „Umschlagplatz“. Fahren wir doch mal dort hin. Dort wurde erstmal das Büro gestürmt und die riesigen Stapler bewundert. Schnell mal noch zwischen den Kontainern verschwinden und ein paar Bilder schießen. Mir reicht´s für diesen Tag und Flo sicher auch. Beim Sichten daheim dann musste ich feststellen, ein paar Bilder sind doch gar nicht so übel geworden. Vielleicht sollte man manchmal einfach immer weiter kämpfen. Schlechte Tage haben wir alle, wir sollten uns nur nicht von ihnen allzu sehr beherrschen lassen und vielleicht wie Flo einfach drüber lachen.