Natürliche Bilder

Nicht auf Krampf fotografieren

Durch das Shooting mit Bambi ist mir wieder mehr bewusst geworden, wie schön es eigentlich ist nicht immer nur zu versuchen auf Krampf etwas zu erzwingen. Wenn man sich heute in der Fotowelt umschaut, gibt es da viele Facetten, aber zwei stoßen mir immer wieder ganz besonders übel auf, mit denen ich mich auch gar nicht anfreunden kann.

Zum Einen sind es die 0815-Fotostudios, die die meinen sie hätten ein Handwerk gelernt. Ja das haben sie sicher auch, aber Fotografie ist kein Handwerk in meinen Augen, das Handwerkliche besteht wohl eher darin die Kamera, das Objektiv und die Blitzanlagen zu beherrschen. Aber Fotografie selbst ist eine Kunst, denn es geht darum Bilder und Emotionen, Momente und manchmal unwiederbringbare Augenblicke einzufangen. Aber schon beim Vorbeigehen an den Schaufenstern von diesen Anbieten, kann man eigentlich nur mit dem Kopf schütteln.

Mir kommt dann immer der Gedanke, dass ich das doch schon vor 25 Jahren gesehen habe: Totgeblitzte Gesichter, auf Krampf lächelnde Menschen, die aussehen wie versteinert, vor einem wechselbaren, langweiligen Hintergrund. Oder diese Trend-Shops, wie „Studioline“ … das ist die Schlachthaus-Generation der Fotografie. Die Leute verstehen sicher ihr Handwerk, aber es bleibt Knipserei am Band, ähnlich wie die Napoleon-Wand auf der Festung Königstein, durch die man dann seine Visage stecken und Erinnerungsfotos schießen kann.

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Die zweite unmögliche Partei der Fotografie ist dieses überstrahlte Outdoor-Blitzen. Ich bin ja eigentlich offen für Experimente und es ist sicher auch eine Geschmackssache, aber dieses Licht ist soooooo unnatürlich und zerstört einfach den Moment. Bei Sonnenuntergang im Hintergrund kommt auf einmal eine volle Breitseite an Licht von vorn. Woher? Landet dort gerade ein vollverchromtes UFO? Damit geht in meinen Augen der natürliche Charme vollkommen verloren. Blitz sollte immer so eingesetzt werden, dass man nicht sieht, dass geblitzt wurde. Aber wie gesagt, es bleibt sicher eine Frage es Geschmacks.

Beim ersten Durchforsten des Shootings mit dem Model Bambi Brachial ist mir wieder aufgefallen, dass es ganz einfach sein kann, persönliche und individuelle Fotos zu schießen. Mit dem richtigen Maß an Verständnis und dem Hervorlocken der Persönlichkeit, manchmal sogar aus einer total dämlichen Situation heraus,  entstehen diese wundervollen natürlichen Aufnahmen, die unbezahlbar sind. Und manchmal sind es die sogenannten Outtakes, die mir dabei am Besten gefallen. Dabei muss das Bild gar nicht absolut perfekt in Schärfe oder anderen handwerklichen Merkmalen sein, es ist einfach die Natürlichkeit.